Römerbrief Kapitel 3, 21-24 Der Gerechte wird aus dem Glauben leben

Römerbrief Kapitel 3, 21-24

eine Predigt von

Dr. Edgar McKenzie

am 8.Dezember 2004

U.S.A., Arizona, Sun City

Der Gerechte wird aus dem Glauben leben

Zur Feier des Reformationstages möchte ich über das Lutherthema „Der Gerechte wird seines Glaubens leben“ sprechen. Als Text verwende ich den Römerbrief 3, 21-24. Der Text lautet: „Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten. 22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: 23 sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, 24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Martin Luther wird viel genannt, aber wenig gekannt und gerade darum häufig verkannt! Was ist alles in den letzten 4-Jahrhunderten von herzenswarmen Freunden, von erbitterten Gegnern und von kühlen abseits stehenden Beobachtern über Luther behauptet und mit Lutherzitaten reichlich belegt worden!

Helmut Eberlein berichtet von folgenden Fragen, die häufig aufgestellt werden: „War er der Heilige Gottes, der Vater der Kirche oder der Erzketzer und Sohn Satans? War er der politische Revolutionär oder der Fürstenknecht? War er der große Aufklärer und Aufräumer mittelalterlichen Pfarrwustes oder der noch tief im Mittelalter befangene Dunkelmann? War er der kühne Glanzheld oder das „sanftlebende Fleisch zu Wittenberg? War er der national- begeisterte Deutsche oder der an ein volksfremdes, nationales Kirchentum Gebundene? War er der redliche Familienvater und Staatsbürger der Zerstörer aller abendländischen Ordnungen?

Diese und andere Fragen weisen daraufhin, das eine ganze Reihe von Luthervorbildern im Laufe der Zeit entstanden sind. Wer hat nun Recht? Welchen Stimmen sollen wir nun folgen? In der Tat hat Luther sich auf vielen Gebieten verdient gemacht. Aber sein Hauptverdienst liegt darin, dass er das Evangelium wiederentdeckt hat.

Um Luther überhaupt begreifen zu können, muss man sich folgende Tatsache klar vor Augen halten. Durch viele Jahrhunderte hindurch war die Wahrheit >>Rechtfertigung durch den Glauben<< den Menschen verborgen. Jahrhunderte lang glaubte man allgemein, dass man durch gute Werke gerechtfertigt werden würde. Es war Martin Luther vorbehalten, diese Wahrheit wieder auf den Leuchter zu stellen: „Rechtfertigung durch den Glauben.“

Der Ruf: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben“ ist zur Grundlage der Reformation geworden. Seit der Zeit Luthers haben viele Menschen diese Wahrheit vergessen. Für alle Zeiten jedoch bleibt sie das Kernstück des Christentums. Heute wollen wir das Thema, „der Gerechte wird aus dem Glauben leben“ auf Grund unseres Textes und vom Standpunkt des Luthers aus betrachten.

Die Wirklichkeit Gottes und die Realität der Sünde: In unserem Schriftwort steht geschrieben: „Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“ Dieser Satz setzt die Wirklichkeit Gottes und die Realität der Sünde voraus. Beide Aussagen waren für Luther während seiner Klosterarbeit sehr wichtig, denn seine innere Not bestand in dem Ringen mit der Frage: „Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“ Wer die Not dieser Fragen nicht wirklich nachfühlen kann, dem muss Luthers Evangelium verschlossen bleiben.

A. Die Wirklichkeit Gottes: Das Erste und Entscheidende bei Luther war, dass Gott Wirklichkeit ist. Man kann sein ganzes Leben nur verstehen, wenn man weiß, was das heißt. Er erkannte Gott als die eigentliche, ja zutiefst einzige Wirklichkeit. Luthers Not lautete: Gott lebt, Gott ist da in seiner ganzen Majestät! Von drei Seiten her wurde Luther von der Wirklichkeit Gottes gepackt.

1. Luther wurde vom Gedanken eines lebendigen Gottes ergriffen. Die Geschichte des jungen Luthers erzählt von drei ernsten Todeserlebnissen, die er als Student durchgemacht hat: Beim plötzlichen Tod eines anderen Studenten im Duell, bei dem nächtlichen Aufbrechen einer eigenen Schenkelwunde und bei dem Gewitter in Stotterheim. Aber es war nicht gewöhnliche Todesfurcht, die ihn gepackt hatte; nein nicht Todesangst, sondern Gottesangst! Das Bewusstsein der Gegenwart des lebendigen Gottes ließ seine Seele erschauern. Eine ähnliche Angst vor der Majestät und
Nähe Gottes packte ihn bei der Ausübung der kirchlichen Messe. Seine Knie zitterten, der Schweiß brach durch de Poren, kaum vermochte er die Messe zu Ende zu bringen, Ungewöhnlich tief spürte er etwas von dem gewaltigen Lied: „Gott ist gegenwärtig, lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.“ Mehr als einmal weiß Luther Gottes Majestät als ein verzehrendes Feuer darzustellen: „Gott ist ein Feuer, das verzehrt, frisst und eifert, das ist, er bringt euch um, wie das Feuer ein Haus verzehrt, zu Asche und Staub macht.“

„Denn das vermag kein Mensch auf Erden zu lassen: Wo er recht an Gott gedenkt, so erschrickt ihm das Herz im Leibe und liefe wohl zur Welt aus.“ Ja, sobald er Gott hört nennen, wird er scheu und nüchtern.“

2. Luther wurde auch von Gedanken ergriffen, dass der lebendige Gott zugleich der fordernde ist. Sein Ringen im Kloster, seine Verzweiflung an sich selbst und an seiner Seligkeit rührt daher, dass er die Forderung Gottes nicht erfüllen konnte. Gottes Forderung: Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig! Lag wie eine Zentnerlast auf der Seele. Er gehörte nicht zu den Menschen, die die Gebote Gottes auf die leichte Schulter nehmen. Nein, er gab sich die redlichste Mühe, ihnen gerecht zu werden.

Er schreibt dazu: „Ist je ein Mönch in den Himmel gekommen durch Möncherei, so wollte ich auch hingekommen sein. Das würden mir alle meine Klostergesellen, die mich gekannt haben bezeugen. Denn ich hätte mich, wenn es noch länger gewährt hätte, zu Tode gemartert mit Wachen, Beten, Lesen und anderer Arbeit.“ Seine Sünde war ihm wie ein Riesenberg auf seiner Brust, mit dem er weder durch die Beichte noch durch das Sakrament, noch durch ein anderes menschliches Werk fertig wurde. Er hatte begriffen: Gott fordert nicht bloß das Tun, sondern die innere Gesinnung. Er zieht nicht bloß die äußeren Worte und Werke vor sein Gericht, sondern ebenso die Gedanken und Versäumnisse! Luther sah deutlich den von uns aus unüberbrückbaren Abstand zwischen Gott und Mensch.

Er spürte und fühlte ihn in seinem ganzen Wesen: Die Majestät Gottes und seine heilige Forderungen auf der einen Seite und die Grenzen des Menschen und ihr sündhaftes zurückbleiben auf der anderen. So gingen die Schauer des lebendigen und fordernden Gottes über ihn hinweg.

3. Luther wurde aber auch vom Gedanken eines verborgenen Gottes gepackt. Ehe er das Evangelium wiederentdeckte, war Gott für ihn etwas Unbegreifliches und Unheimliches. Er glaubte, Gott sei willkürlich, und dass er vielleicht von ihm verdammt sei. Es packte ihn ein dämonischer Groll gegen diesen Gott der Willkür. Ein wilder Hass quoll in ihm auf, blasphemische Worte drängten sich ihm auf die Lippen, ja der aberwitzige Wunsch stieg in ihm auf, diesen furchtbaren Gott, wenn es möglich wäre, totzuschlagen… Alle Qualen der Hölle glaubte er jetzt schon vorauszuschmeken!

Er schreibt: „Da war ich der elendigste Mensch auf Erden, Tag und Nacht war lauter Heulen und Verzweifeln, dass mir niemand wehren konnte.“ Trotz alledem war Luther nichts gewisser als die Wirklichkeit dieses unheimlichen Gottes. Eine Flucht vor ihm ist ganz ausgeschlossen. Er lebt im Psalm 139: „Wo soll ich hinfliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da, bettete ich mich in die Hölle, siehe so bist du auch da. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mich.“ Solche Erkenntnis ist mir zu wunderbar, zu hoch. Ich kann sie nicht begreifen!

B Die Realität der Sünde: In unserem Schriftwort heißt es: Sie sind allzumal Sünder, und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Der Satz spricht von der Realität der Sünde.

1. Die Sünde als unvermeidliches Vergehen gegen Gott. Um was handelt es sich bei Luthers Kampf im Kloster? Um seine Sünde, wie er vor ihr frei und gerecht vor Gott sein könnte? Was Luther damals mit Sünde bezeichnete, ist nicht das vermeidliche Vergehen gegen Gott, bei dem es freigestanden hätte, es zu tun oder es auch zu unterlassen, sondern es ist das unvermeidliche Vergehen gegen Gott, ein Vergehen, das nicht dem freien Willenentschluss des Menschen unterworfen ist, das viel mehr notwendig und immer eintritt. Und doch entstammt es dem Willen des Menschen und ist seine Schuld.

2. Die Sünde ist der Zustand des Menschen an sich. Es kommt alles darauf an, zu verstehen, was Luther mit Sünde meint. Was er damit bezeichnete und womit er nicht fertig wurde, waren nicht die einzelnen Tatsünden, sondern der sündliche Zustand des Menschen im Wesentlichen. Sünde ist in erster Linie nicht ein Tun sondern ein Sein. Die Tatsünden sind damit nicht aufgehoben oder verbagatellisiert, sondern eine Teilfolge des Zustandes. Sünde ist als Tat nicht das Entscheidende. Sie wäre wieder gutzumachen; nicht aber wieder gutzumachen ist die Sünde als Seinform.

Sünde ist das Krankheitszeichen, an dem erkannt wird, was wir sind. So einer bist du, dazu bist du fähig. Und das Sein lässt sich nicht durch Taten aufheben. In unserem Schriftwort heißt es: Sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. Der erste Schritt für Luther und der erste Schritt für jeden, der einen gnädigen Gott bekommen möchte war und ist die Erkenntnis der Wirklichkeit Gottes und die Realität der Sünde.

Rechtfertigung allein durch den Glauben. In unserem Schriftwort heißt es: „Ich rede aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die da glauben…“ Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

Luthers Klosterfrage war die Frage nach dem gnädigen Gott. Die Antwort darauf lässt sich am besten an einer Aussage der lutherischen Lehre, die mit unserem Text eng verbunden ist, klar machen. Wir werden gerecht, daher Gottgerecht aus Gnaden, durch den Glauben, um Christi willen. In dieser Gerechtigkeit besteht unser Heil.

A. Aus Gnaden, das heißt: Wo wir am Ende sind da hat Gott bereits allen Entscheidende getan. Unser Heil ist in keiner Weise unser Verdienst, sondern ganz und gar Gottes Geschenk. Luther hält es für einen Raub an Gottes Ehre, wenn wir glauben, Gottes Tun unsererseits ergänzen zu müssen. Es ist außerdem ein törichter Versuch, weil wir gar nicht dazu imstande sind. Wir befinden uns alle in der Lage des verlorenen Sohnes, der keinerlei Ansprüche mehr stellen kann. Aber eben diesem verlorenen Sohn gegenüber offenbart sich die Vaterliebe in ihrer überschwänglichen Größe.

Bedingungslos öffnet sie dem Heimkehrer ihre Arme. Der bedingungslosen Auslieferung entspricht die bedingungslose Aufnahme. Diese Liebe Gottes ist wahrlich höher als alle Vernunft. Sie ist der Kern des Evangeliums. Die Gerechtigkeit Gottes, die im Evangelium offenbart wird, ist nicht die des Richters sondern die des Vaters und des Schöpfers. Sie ist die Gerechtigkeit, an der uns Gott Anteil geben will, nicht die, mit der er uns in unserer Ungerechtigkeit verurteilt. Sowie Gott die Welt aus dem Nichts hervorgerufen hat, so schafft er aus dem Sünder den gerechten. Das ist die süße Wundertat seiner Gnade.

B. Die zweite Bestimmung des Evangeliums heißt allein durch den Glauben. Unser Schriftwort spricht von der Gerechtigkeit, die durch den Glauben kommt. In tagelangem Nachsinnen über Römer. 1, 17 entdeckte Luther das Evangelium.

Der Ruf: „Der Gerechte wird aus dem Glauben leben“ ist zur Grundlage der Reformation geworden. Es scheint ein unausrottbares Missverständnis zu sein, als ob der Glaube nun doch als ein Stück menschlicher Leistung die Gnadentat Gottes ergänzen müsste.

Ganz verhängnisvoll wird dieses Missverständnis, wenn man dann noch unter Glaube die verstandesmäßige Zustimmung zu bestimmten Lehren und Überliefrungen versteht. Man schätzt seine Verdienstlichkeit um sie höher ein, je mehr man sich diese Zustimmung gegen bessere Einsicht als sog. Opfer des Verstandes willentlich abringt. Aber Gott kann sich mit unserem Verstande nicht begnügen!

Gott will den ganzen Menschen. Luther schreibt dazu: „Einen Gott haben heißt: etwas haben, darauf das Herz gänzlich vertraut.“ Der Glaube, den Luther meint, ist in keiner Weise ein Werk. Gott schenkt uns das Heil. Der Mensch hat dabei nichts anderes zu tun, als dieses Geschenk ohne Wenn und Aber anzunehmen. Das versteht Luther unter Glaube. Glaube ist das bedingungslose und unbedingte Ja zu Gottes Angebot. Luther ließ sich um keinen Preis von dem „allein durch den Glauben“ abdrängen.
Er wusste aus schmerzlichstem, eigenem Erleben, was hier auf dem Spiel stand; darum duldete er in diesem Punkte keinen Kompromiss und kannte keine Toleranz. Wer hier nur ein wenig nachgibt, hat alles verloren.

C. Die dritte Bestimmung des Evangeliums heißt: Um Christi Willen. In unserem Text heißt es: Sie werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist. Was gibt uns das Recht, an die Wirklichkeit der unbedingten und bedingungslosen Gnade zu glauben? Sie steht und fällt mit ihrer Wirklichkeit. Diese Wirklichkeit ist in Christus offenbar geworden. Christus ist die menschgewordene Gnadenwirklichkeit Gottes. Ohne Christus wäre alles Reden von Gnade und Glaube frevelhafte Empörung und Anmaßung und Sieg menschlicher Ichsucht. Nun aber ist Christus erschienen und hat mitten in der Wirklichkeit von Sünde und Schuld in seinem Leben und Sterben die Gnadenwirklichkeit Gottes offenbart. Er hat die Sünderliebe Gottes nicht nur gelehrt, er hat sie gelebt, er ist für ihre Wirklichkeit gestorben, und Gott hat sein Amen zu der Wirklichkeit seines Opfertodes gesprochen. Was Paulus in den ersten Kapiteln des Römerbriefes lehrhaft auseinandersetzt, das hat er selbst vor Damaskus erlebt.

Da ist ihm Gott selbst in Jesus Christus in den Weg getreten. Was er sich als religiöse Welt zurechtgezimmert hatte, ist vor der Wirklichkeit Gottes in Christo zergangen wie der Schnee vor der Sonne. So hat es Luther nach ihm erlebt in der Einsamkeit seiner Klosterzelle. So ward ihm die Entdeckung des Evangeliums von Gott geschenkt. So wurde er zum Boten Gottes an die Christenheit. So wurde er zum Zeugen Jesu Christi. Er schreibt: „Lasset uns ja auf Christum Jesum in aller Zuversicht unser Vertrauen setzten! Gott nehme mich diese Stunde oder morgen aus diesem Leben, so will ich das hinter mir lassen, dass ich Jesum Christum erkenne und bekennen will für meinen Gott und Herrn.“

Die Entscheidung und die Bekehrung: In unserem Schriftwort heißt es, dass alle Menschen Sünder sind. Auf der anderen Seite heißt es, dass diejenige, die da glauben ohne Verdienst aus Gnade gerecht werden. Zwischen den beiden Sätzen ist der Gedanken der Entscheidung und der Bekehrung stillschweigend mit einbegriffen.

A. Die Entscheidung: Die Wirklichkeit der Gnade Gottes ist in Jesus Christus offenbar geworden. Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus will etwas von uns. Sie lässt uns nicht gleichgültig und verhält sich nicht gleichgültig uns gegenüber. Sie nimmt uns in Anspruch, fordert unsere Stellungnahme. Sie verlangt eine Stellungnahme, eine Entscheidung, die so geartet sein müsste, dass sie alle unsere anderen Entscheidungen, die wir sonst in unserem Leben noch treffen, beherrscht und sich in ihnen auswirkt.

Die Offenbarung Gottes in Jesus Christus lässt sich überhaupt nicht theoretisch beweisen. Sie lässt sich aber praktisch erfahren. „Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. Wenn jemand dessen Willen tun will, wird er innewerden, ob diese Lehre von Gott ist oder ob ich von mir selbst aus rede.“ ( Joh. 7, 16+17 ) Es gibt nichts Gewisseres als persönliche Gewissheit. Die persönliche Erfahrung des einzelnen wird zwar gestützt von der tausendfachen Erfahrung der Gemeinde aller Jahrhunderte. Sie wird sich häufig an ihr entzünden. Sie wird ihr zu Dank verpflichtet sein. Aber zuletzt gilt es auch hier:

Da tritt kein anderer für ihn ein, auf sich selber steht er da ganz allein.“ Der Glaube, den Gott von uns will, muss in freier Entscheidung gewagt werden. Gott begnügt sich nicht mit unserem Verstand, er will unser Herz. Gottes Offenbarung will nicht Aufklärung, sondern Wiedergeburt. Sie geht den ganzen Menschen an.

Luther schreibt: „Es gilt dir deinen Hals, es gilt dir dein Leben.“ Das alles hat Luther in der Einsamkeit seiner Klosterzelle erlebt. Er schreibt: „Aber ich fühlte, dass ich trotz allem untadelhaften Mönchleben vor Gott ein Sünder sei mit unruhigstem Gewissen und das ich nicht darauf vertrauen könnte, ihm durch mein genugtuendes Werk zu versöhnen. Und so liebte ich nicht diesen gerechten und Sünde strafenden Gott, vielmehr hasste ich ihn.“ Aber da wo Luther am Ende war da hat Gott bereits alles Entscheidende getan. Was er sich als religiöse Welt zurechtgezimmert hatte, ist vor der Wirklichkeit Gottes in Christus verschwunden. Aber er musste die Wirklichkeit Gottes in Christus in freier Entscheidung aufnehmen.

Darum hat der Glaube nichts mit dem Opfer des Verstandes zu tun. Kein Mensch kann gegen seine bessere Einsicht „glauben“. Glaube ist nicht ein Führwahrhalten von bestimmten Lehrsätzen oder biblischen Geschichten, sondern er ist wie Luther sagt, „das Trauen und Bauen des Herzens auf Gott.“ Gottes Wort in der Bibel vernimmt nur der Glaube, der es auf Gott wagt.

B. Die Bekehrung. Die Bekehrung ist auch in unserem Schriftwort stillschweigend mit einbegriffen. Jeder Mensch kann sie persönlich erfahren, wenn er zu dem Punkte kommt, wo er selbst am Ende ist, und zur Erkenntnis gelangt, dass Gott bereits alles Entscheidende getan hat. Er kann sie erleben, wenn er weiß, dass sein „eigenes Bemühen nichts taugt.“

„Die Bekehrung besteht eigentlich aus zwei Teilen: Aus dem Teil wo Gott eine Rolle spielt und aus dem Teil wo der Mensch eine Rolle spielt. Es ist unmöglich sich ohne Gottes Hilfe zu bekehren. Auf der anderen Seite ist es für Gott unmöglich, uns das Heil zu verleihen, wenn wir nicht auf seine Bedingungen eingehen. Gott stellt folgende Bedingungen: Der Mensch muss sich von der Sünde abwenden und zu Gott hinwenden. Das ist die Buße, die Gott von uns verlangt. Wir wenden uns in freier Entscheidung von der Sünde ab und wir wenden uns in freier Entscheidung zu Gott hin.

Schluss: In tagelangem Nachsinnen über Römer 1, 17 hat Martin Luther das Evangelium entdeckt. Der Ruf: „Der Gerechte wird aus Glauben leben“ ist zur Grundlage der Reformation geworden. Das Evangelium ist die frohe Botschaft von dem Heile Gottes in Jesus Christus. Unser Heil ruht allein in dem, was Gott selbst in Jesus Christus an uns getan hat.

Die Frage nach dem gnädigen Gott hat in dem Evangelium von Jesus Christus ihre Antwort gefunden. Gott nimmt den Sünder an; seine Gerechtigkeit gipfelt in seiner Gnade.

Wie steht es mit Dir? Hast du mit Luther das Evangelium entdeckt? Um das tun zu können, musst du von der Wirklichkeit Gottes und der Realität der Sünde ergriffen sein. Du musst erkennen, dass die Rechtfertigung allein durch den Glauben zu erlangen ist. Der Glaube, den Gott von Dir will, muss in freier Entscheidung gewagt werden. Gott will dein Herz. Es ist wie Luther sagt: „Es gilt dir deinen Hals, es gilt dir dein Leben.“ Willst du diese Entscheidung treffen? Jesus lädt dich herzlich ein. Amen

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